2. Leinemauscamp 2026: Fledermausschutz zwischen Stadtwald und Leineaue
Wenn in der Dämmerung die letzten Vögel verstummen, beginnt die Zeit der Fledermäuse.
Vom 10. – 12. Juli 2026 drehte sich beim zweiten Leinemauscamp der Ökologischen Station Mittleres Leinetal e.V. alles um die heimlichen Jäger der Nacht. Nachdem das erste Camp im vergangenen Jahr auf große Resonanz stieß und sehr erfolgreich verlief, wurde das Format im Jahr 2026 fortgesetzt. Unter dem Motto „Von Stadtwald bis Leineaue – Fledermäuse in der Region Hannover“ verband die Veranstaltung erneut praktische Feldarbeit, fachlichen Austausch und gemeinsame Naturerlebnisse.
Mit 16 Teilnehmer*innen war das Camp vollständig ausgebucht. Eine Teilnehmerin reiste sogar aus Berlin an – ein klares Zeichen dafür, dass sich das Leinemauscamp inzwischen weit über die Region Hannover hinaus herumgesprochen hat. Teilnehmen konnten sowohl angehende Fledermauskartierer*innen als auch Interessierte, die bereits im praktischen Naturschutz aktiv sind oder dort erste Erfahrungen sammeln möchten.
Zwei Nächte, zwei unterschiedliche Lebensräume
Nach der Anreise und dem Aufbau des Zeltlagers begann das Camp am Freitag mit einer Einführung, der Einteilung der Teams und der Vorbereitung auf die erste Fangnacht. Die Teilnehmer*innen erhielten Einblicke in den fachgerechten Umgang mit Fledermäusen, in die Netzfangmethodik und in die Bestimmung der verschiedenen Arten. Das Programm verband die nächtliche Arbeit im Gelände mit Kurzvorträgen, Auswertungen und ausführlichen Fachgesprächen.
Kurzvorträge zum Thema Fledermäuse
Für die Netzfänge wurden bewusst zwei sehr unterschiedliche Gebiete ausgewählt. Am ersten Abend untersuchten die Teams mehrere Standorte in der Eilenriede in Hannover. Der weitläufige Stadtwald bietet Fledermäusen mit seinen alten Baumbeständen, Lichtungen und Gewässern vielfältige Jagd- und Quartiermöglichkeiten.
In der zweiten Nacht führte die Feldarbeit in die Naturschutzgebiete Bockmerholz und Gaim in der Nähe von Laatzen. Dort erwartete die Teilnehmer*innen eine andere Landschaft mit naturnahen Waldbereichen und Übergängen zur offenen Kulturlandschaft. Durch den Wechsel der Standorte konnten verschiedene Lebensräume und ihre jeweiligen Fledermausvorkommen miteinander verglichen werden.
Fledermäuse aus nächster Nähe
An beiden Abenden gingen zahlreiche Fledermäuse unterschiedlicher Arten in die Netze. Nachgewiesen wurden unter anderem die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus), die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus), die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), der kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri), der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) und die Breitflügelfledermaus (Cnephaeus serotinus).
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) (Bild: ÖSML 2026).
Die Tiere wurden von erfahrenen Fachleuten vorsichtig aus den Netzen befreit. Anschließend konnten sie bestimmt, vermessen, gewogen und auf weitere Merkmale untersucht werden. Sämtliche Arbeitsschritte erfolgten unter fachkundiger Anleitung und mit der notwendigen Sorgfalt. Nach Abschluss der Untersuchung wurden die Fledermäuse unmittelbar wieder an ihrem Fangort freigelassen.
Untersuchung der gefangenen Fledermausindividuen (Bild: ÖSML 2026).
Gerade diese praktischen Erfahrungen machen den besonderen Wert des Leinemauscamps aus. Merkmale, die in Bestimmungsbüchern oder Vorträgen zunächst abstrakt wirken, können direkt am Tier betrachtet und miteinander verglichen werden. Gleichzeitig lernen die Teilnehmer*innen, wie anspruchsvoll der fachgerechte Umgang mit Fledermäusen ist und welche Verantwortung mit der Erfassung geschützter Arten verbunden ist.
Daten für den praktischen Fledermausschutz
Die Netzfänge dienen nicht allein der Aus- und Weiterbildung. Die während des Camps erhobenen Daten liefern zugleich wertvolle Hinweise auf die Nutzung der unterschiedlichen Gebiete durch verschiedene Fledermausarten.
Die Ergebnisse werden den zuständigen Flächeneigentümer*innen und Behörden zur Verfügung gestellt. Damit können sie in die Betreuung und Entwicklung der Flächen einfließen und eine fachliche Grundlage für künftige Schutz- und Pflegemaßnahmen bilden. Das Leinemauscamp verbindet somit Wissenstransfer und Nachwuchsförderung mit einem konkreten Beitrag zum regionalen Artenschutz.
Ein weiteres Ziel der Veranstaltung ist der Aufbau eines Netzwerks für den Austausch von Wissen und Erfahrungen im Fledermausschutz. Neben der praktischen Arbeit blieb deshalb viel Platz für Fragen, Gespräche und Diskussionen – bei der gemeinsamen Auswertung ebenso wie beim Frühstück, beim Grillen oder spät in der Nacht bei den Fangplätzen. Auch beim ersten Leinemauscamp im letzten Jahr wurden vor allem die Verbindung von Theorie und Praxis, sowie der persönliche Austausch besonders positiv ausgenommen.
Gemeinsam für eine gelungene Veranstaltung
Die Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. bedankt sich herzlich bei allen, die das zweite Leinemauscamp ermöglicht und unterstützt haben.
Ein besonderer Dank gilt den Flächeneigentümer*innen sowei den Verantwortlichen der genutzten Flächen im Bockmerholz, in der Gaim und in der Landeshauptstadt Hannover. Ebenso danken wir dem BUND Region Hannover für die Unterstützung und die Trägerschaft der Veranstaltung, der Stadt Laatzen für die Bereitstellung der Flächen und Einrichtungen für das Zeltlager sowie der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover für die fachliche Unterstützung und die erforderlichen Genehmigungen.
Unser Dank gilt außerdem den beteiligten Fachleuten, die ihre Erfahrungen weitergegeben und die Teilnehmer*innen während der nächtlichen Feldarbeit begleitet haben.
Nicht zuletzt danken wir allen 16 Teilnehmer*innen für ihr großes Interesse, ihre Ausdauer bis tief in die Nacht und den offenen fachlichen Austausch.
Das Leinemauscamp geht auch im kommenden Jahr in die nächste Runde – wir freuen uns auf ein Wiedersehen! Seid gerne dabei.

