Baumschutz an der Arnumer Landwehr

Gemeinschaftsaktion der ÖSML und des NABU Laatzen am 8. Mai 2026

 An der Arnumer Landwehr besteht bereits seit vielen Jahren ein aktives Biberrevier. Der Europäische Biber (Castor fiber) gehört zu den größten Nagetieren Europas und ist hervorragend an das Leben im Wasser angepasst. Da sich Biber bevorzugt schwimmend fortbewegen, bauen sie bei niedrigem Wasserstand Dämme, um Wasserstände anzuheben und dadurch Nahrung sowie Baumaterial leichter transportieren zu können.

An der Arnumer Landwehr befinden sich mehrere Biberdämme, die aus Ästen, Zweigen und anderem Pflanzenmaterial der umliegenden Gehölze und Umgebung errichtet wurden. 

In den vergangenen Jahren wurde in diesem Bereich zunehmend durch Anwohnende versucht, Bäume mit Kaninchendraht oder ähnlichen Materialien vor dem Verbiss durch Biber zu schützen. Dabei wurden jedoch häufig wichtige Aspekte des fachgerechten Baumschutzes nicht berücksichtigt.

Fachgerechter Baumschutz im Biberrevier

Sinnvoller Baumschutz bedeutet, einen Ausgleich zwischen dem Erhalt wertvoller Gehölze und den natürlichen Bedürfnissen des Bibers zu schaffen. Besonders schützenswerte Bäume können durch ausreichend große und fachgerecht angebrachte Drahtgamaschen geschützt werden. Dabei ist wichtig, dass genügend Abstand zwischen Stamm und Draht besteht, damit der Baum weiterwachsen kann und die Rinde nicht beschädigt wird.

Wie fachgerechter Baumschutz im Biberrevier umgesetzt werden kann und welche Bäume überhaupt geschützt werden sollten, wird im Dokument „Baumschutz im Biberrevier“ näher erläutert. Grundsätzlich gilt dabei stets: Dem Biber muss ausreichend Nahrung im Revier verbleiben, damit ein konfliktarmes Zusammenleben möglich bleibt.

Warum ungeeigneter Draht den Bäumen schadet

  • Schäden durch zu enganliegendem Draht

Das enge Umwickeln von Baumstämmen mit Draht, insbesondere mit Stachel- oder Kaninchendraht, schadet den Bäumen häufig mehr, als das es nutzt. Direkt unter der Rinde verlaufen die wichtigen Leitbahnen des Baumes. Sie transportieren Wasser aus den Wurzeln in die Krone sowie energiereiche Stoffe zurück in den Stamm und die Wurzeln. Wird der Stamm eingeschnürt oder wächst der Draht mit der Zeit in die Rinde ein, wird diese Versorgung unterbrochen. Die Folge sind schwere Schäden bis hin zum Absterben des Baumes.

  • Unzureichender Schutz durch Kaninchendraht

Kaninchendraht ist in der Regel weder stabil noch hoch genug, um Bäume wirksam vor Biberverbiss zu schützen. Biber können solche Schutzvorrichtungen leicht überwinden oder beschädigen. Mit einer Körperlänge von bis zu 1 Meter, sollte auch geeigneter Baumschutz min. 1m hoch reichen. Wichtig ist außerdem, auch Wurzeln und den unteren Stammbereich zu schützen. 

  • Der Biber bevorzugt bestimmte Baumarten

Biber nutzen bevorzugt sogenannte Weichholzarten wie Weiden oder Pappeln. Andere Baumarten werden meist nur dann angenagt, wenn kein geeigneteres Material verfügbar ist. Nicht jeder Baum im Revier muss daher geschützt werden. Sträucher und Weichholzarten mit einem Durchmesser unter 10 cm sollten dem Biber generell als Nahrung bleiben.

  • Rechtlicher Schutz des Bibers

Der Europäische Biber ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sowie der europäischen FFH-Richtlinie besonders streng geschützt. Ein vollständiger Entzug der Nahrungsgrundlage ist daher ohne entsprechende Ausnahmegenehmigung der zuständigen Behörden nicht zulässig. Schutzmaßnahmen sollten sich deshalb auf einzelne, tatsächlich gefährdete und landschaftsprägende Bäume beschränken.





(Fotos: Stadt Hemmingen und Nabu Laatzen)